Leicalicious
dario arndt

"Nicht das Wort ist mächtiger als das Schwert. Bilder sind mächtiger als beides."

© Dario Arndt

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Mein ganz persönlicher Fuji X100T - Review (DE)

Als Leica Fotograf fällt es mir, ehrlich gesagt, schwer vom Messucher-Prinzip abzuweichen. Aber ein Fotoapparat mit Autofokus ist schon eine verlockende Sache. Leica selbst bietet leider keine brauchbaren Alternativen, die mich ernsthaft interessieren. Und so kam eigentlich nur die neue Fuji X100T in Frage. In der dritten Generation (1. Generation X100; 2. Generation X100S) soll die Kamera noch einmal verbessert worden sein. Das war Anlass genug für mich, die neue Fuji X100T zu testen. Ich wollte herausfinden ob Bildqualität und Handling gut genug sind, um meinen Ansprüchen zu genügen. Ich habe die Kamera seit Anfang Dezember 2014 und möchte nun meine ersten Erfahrungen teilen.

Autofokus Performance

Es gibt Verschiedene AF Einstellungen, die das Handling der X100T beeinflussen. Für jemanden wie mich, der eigentlich nicht gewohnt ist mit AF zu fotografieren, ist das schon eine Herausforderung. Meine zentrale Frage: Welche Einstellung ist denn nun die richtige?

Es gibt drei Einstellungen für den AF:
  • Ein Fokusfeld oder auch Vario-AF genannt
  • Automatische Fokusfeldwahl oder Mehrfeld-AF genannt
  • AF-Gesichtserkennung – kann mit den beiden oben genannten Fokuseinstellungen kombiniert werden.
Vario AF kombiniert mit autom. Gesichtserkennung und AF-C
Kombiniert mit der Gesichtserkennung erscheint es mir subjektiv vorteilhafter, wenn man den Autofokuspunkt auf 150% vergrößert. Ich konnte feststellen, dass der AF gelegentlich daneben lag, wenn ich den Vario-AF in Kombination mit der Gesichtserkennung verwendet und im C-Modus fotografiert habe (C = Continous / AF-C).
Automatische Fokusfelder kombiniert mit Gesichtserkennung im AF-C Modus

Insgesamt bin ich jedoch recht zufrieden mit der Leistung. Als Leica Fotograf kann ich sagen, dass ich mit meiner M vergleichbare Ergebnisse erziele. Der einzige Unterschied ist der, wenn ich mit meiner M daneben liege, weiß ich warum und ärgere mich über das verpasste Motiv. Wenn ich mit der X100T daneben liege, dann ärgere ich mich über den „schlechten“ Autofokus und das verpasste Motiv. Letzteres ist menschlich aber es die Sache nicht einfacher...

AF-S und Gesichtserkennung

Der Autofokus im AF-S Modus für still stehende Motive oder Motive, die sich nur sehr gering bis gar nicht bewegen ist superb. Der Ausschuss strebt gegen Null. Wenn man jedoch die Gesichtserkennung dazu schaltet, dann liegt der AF gelegentlich daneben und die Zeit bis zur Scharfstellung dauert länger. Ähnlich wie bei den großen DSLR-Kameras bietet Fuji im AF-Menü die Möglichkeit die AF-Einstellung auf Fokus-Priorität oder Auslöse-Priorität zu legen. Mit der Fokus-Priorität löst die Kamera dann schon mal nicht aus, selbst wenn man den Auslöser noch so fest drückt und so ging mir schon das eine oder andere Motiv durch die Lappen.

AF-S und Gesichtserkennung
AF-S und Gesichtserkennung

Die Kamera hat auch einen Panorama Modus. Ich muss sagen, das beherrscht sie sehr gut! Die Verzeichnung ist moderat und wird nur zu den Bildrändern hin deutlich. Die Kanten aus den zusammengesetzten Bildern sind im fertigen JPG nicht wirklich sichtbar. Bei genauerer Betrachtung im LR 5.7 kann ich diese erkennen, wenn ich mit der Belichtung spiele. Allerdings ist dies wenig hilfreich für die Bildqualität. Insofern kann ich die Panoramafunktion als sehr gut beurteilen. Und im Vergleich zu der iPhone Panorama Funktion ist die der Fuji weitaus besser. Auch wenn sie nur einen Winkel von 120° abbildet.

Panorama-Modus = Output jpg only

Bei der Handhabung der Kamera fiel mir auf, dass die vom Werk aus eingestellte Tastenbelegung gut brauchbar ist, mit einer Ausnahme. Die Belegung der Auswahl-/Funktionstaste „nach oben“ ist mit der Kurzwahl zur Aktivierung der Makrofunktion eingestellt. Das finde ich unpraktisch, weil ich mit meinem Daumen auch in bequemer Haltung der Kamera regelmäßig den Makromodus aktiviert habe. Das führte sehr häufig zu Problemen bei der Fokussierung. So war regelmäßig der Makro-Modus aktiviert wenn ich ein Foto machen wollte, und die Kamera hat nicht auf die entfernt gelegenen Objekte scharf gestellt und fing an zu pumpen. Nun ist das kein großes Manko. Abhilfe schafft die Neubelegung der Tasten.

AF-C und Face detection
AF-C und Gesichtserkennung
AF-C und Gesichtserkennung. Ehrlich gesagt hatte ich fünf Bilder gemacht, von denen nur eines gut wurde.

Die Makroleistung der Kamera bei Offenblende ist moderat und die Bildschärfe lässt meiner Ansicht nach zu wünschen übrig. Abblenden ist folglich unerlässlich. Aber je nach Motiv kann man damit auch recht reizvolle Effekte erzielen.

Makro-Modus f/2

Der Ein- und Ausschalt-Knopf ist leider sehr leichtgängig, zu leichtgängig für meinen Geschmack. So schaltete (s)ich die Kamera häufiger ein als ich es beabsichtigte. Meistens dann, wenn die Kamera in die Tasche zurück kam und ausgeschaltet bleiben sollte. Ich denke, da besteht Nachbesserungsbedarf. Jedes Mal wenn ich die Kamera in die Hand nehme, rutscht der Einschaltknopf auf die "on" Position. Vielleicht liegt es daran, wie ich die Kamera greife? Ich weiß es nicht. Aber das ist ein Punkt der mich wirklich stört. Meistens merke ich es nicht einmal was dazu führt, dass sich der Akku relativ schnell entleert.

Das Rad für die Belichtungskorrektur sitzt angenehm fest. So kam es bei meinen bisherigen Fototouren nicht zu unbeabsichtigten Belichtungskorrekturen.

Über das kleine Einstellrad auf der Rückseite der Kamera kann ich die Verschlusszeiten ändern. Das geht im manuellen Modus und in der Halbautomatik bei bei fest vorgegebenen Verschlusszeiten. Diese lassen sich dann um je zwei Stufen nach oben oder unten korrigieren. Leider ist das kleine Rädchen aber so leichtgängig, dass sich bei Unachtsamkeit schnell mal die Einstellung verschiebt. Zum Glück macht der Sucher dies im manuellen Modus durch gelbe Ziffern kenntlich. Im halbautomatischen Modus passiert des jedoch nicht, da bleiben die Ziffern blau.

Streetmodus - MF pre-fokussiert auf 1 Meter f/5.6

Das Schaufenster in die Welt – der Opto-Elektronische Sucher

Der Sucher gefällt mir gut. Nicht ganz so groß und klar wie bei meinen M Kameras aber dennoch gut genug um damit angenehm fotografieren zu können. Der Vergrößerungsfaktor beträgt etwa 0,5 und ist damit noch einmal kleiner als der meiner Leica M, der beträgt 0,68. Am besten wäre meiner Meinung nach ein Faktor von 0,85, etwa dem der altem Leica M3. Das ist ein Genuss und eine Wohltat für das Auge. Auf Dauer finde ich es schon recht anstrengend dadurch zu schauen. Sehr positiv stimmt mich der Dioptrinausgleich, der über ein kleines Rädchen direkt neben dem Sucherfenster eingestellt werden kann. Es sind neun Stufen einstellbar. Mutmaßlich von -2 Dioptrien über 0 bis zu +2 Dioptrien? Was wohl daran liegt, dass es 9 Einstellstufen gibt, die dann in 0,5 Dioptrien Schritten zählen. Das habe ich mir daraus ersonnen, weil ich wohl versehentlich etwas verstellt habe und alles irgendwie unscharf aussah. Und um die korrekte Einstellung zu finden, habe ich langsam hin- und hergedreht und mitgezählt. So konnte ich die neutrale Einstellung wählen.

Manueller Fokus

Den manuellen Fokus kann man über ein digitales Schnittbild, den Elektronischen Sucher oder auch mit dem Minibild unten rechts im Sucher bedienen. Die unterschiedlichen Modi gefallen mir sehr, sehr gut. Für die Bildgestaltung gefällt mir der optische Sucher immer noch am Besten. Für die manuelle Fokussierung ist der elektronische Sucher jedoch unerlässlich. Drei Möglichkeiten für die Scharfstellung, von denen einer mein absoluter Favorit ist: Ich habe die Einstellung optischer Sucher und MF-Fokuskontrolle AN gewählt. Bildkomposition mit dem optischen Sucher, Scharfstellen mit dem elektronischen Sucher (100% Ausschnitt). Ich habe nicht rausfinden können, ob es eine andere Einstellung gibt als die 100% Ansicht. Falls es jemand weiß, wäre ich für einen Tipp Dankbar.

manuell fokussiert f/2
Autofokus mit Gesichtserkennung f/2.8 @ 1/25

Das digitale Schnittbild (überlagert in schwarzweiss) ist mir persönlich viel zu dunkel, egal ob bei Tageslicht oder im Dunkeln. Ich habe damit regelmäßig daneben gelegen. Ausgenommen bei geometrischen Strukturen. Da hat es recht gut gepasst. Ich denke aber hier gibt es noch Optimierungsbedarf.

Der manuelle Fokus mit dem elektronischen Sucher funktioniert sehr gut, selbst unter schwierigen Bedingungen.

Manuell fokussiert

Auch die Reaktionszeit bei der Scharfstellung ist meiner Ansicht nach sehr gut. Elektronisch gesteuert, nicht ganz so schnell und präzise wie mit Leica Objektiven aber schnell genug, um spontan auch in dunkler Umgebung Bilder zu machen.

manuell fokussiert

Aber auch hier fällt auf, dass beim Scharfstellen immer nur ein vergrößerter Bildausschnitt zu sehen ist und es die Bildkomposition relativ schwierig macht, im direkten Vergleich zu Leica. Stelle ich hingegen die manuelle Fokussierung so ein, dass lediglich ein kleiner Bildausschnitt unten rechts im Sucher digital eingespielt wird, kann ich die Situation recht gut überblicken was die Bildkomposition etwas erleichtert. Allerdings wanderte mein Auge immer zwischen Gesamtbild und Fokusausschnitt hin und her, was gewöhnungsbedürftig ist. Insofern blieb ich bei meinem Favoriten, dem elektronischen Sucherbild während der Fokussierung. Wenn ich dann den Auslöser antippe, wird die Gesamtszene im optischen Sucher angezeigt. Und sobald der Fokusring wieder bewegt wird, erscheint wieder der vergrößerte Bildausschnitt. Das Spielchen kann man so lange betreiben bis man das hat was wichtig ist, Schärfe und den richtigen Bildausschnitt. Das geht entweder für das pre-Fokussieren (fixen Fokuspunkt festlegen) oder für eine Totale bzw. stillstehende Objekte.

Bildqualität

Neben dem Handling möchte ich noch ein paar Worte über die Bildqualität verlieren. Als Leica User bin ich hohe Qualität gewohnt.

Ich bin es gewohnt mit Offenblende zur fotografieren und so bin ich natürlich besonders neugierig wie sich die X100T bei Offenblende schlägt. In der Bildmitte ist die Schärfe sehr gut, während sie zum Rand hin deutlich abfällt.

Hinsichtlich der ISO-Qualität liefert die Fuji X100T sehr zufriedenstellende Ergebnisse. Ich habe bislang meine Bilder bis maximal 3200 ISO belichtet. Meiner Ansicht nach ist es nicht erforderlich höher zu gehen. Selbst bei dieser hohen ISO Zahl ist die Dynamik noch so gut, dass man bis zu drei Blenden im LR 5.7 pushen (nachbelichten) kann. Der Dynamikumfang des APS-C Sensors ist beeindruckend. Da könnte sich Leica noch einiges abschauen!

Original LR jpg ohne Nachbearbeitung
LR 5.7 +1 Blende gepushed
LR 5.7 +2 Blenden gepushed
LR 5.7 +3 Blenden gepushed

Aufgrund des sehr geringen Gewichts der Kamera sind selbst lange Belichtungszeiten leicht zu realisieren. Eine viertel Sekunde ist meine persönliche Grenze.

Pro & Contra

Und wasserdicht bzw. den einen oder anderen kleinen Schauer verträgt die Neue auch ohne größere Blessuren und läuft tadellos.

Der Weißabgleich hat sich von allein verstellt! Ich hatte das Thema Tasten und Einstellungen schon mal weiter oben behandelt. Wenn ich mit mehr als einer Kamera unterwegs bin, dann hänge ich mir die X100T immer um den Hals. Um spontan Fotos zu machen ist sie natürlich immer eingeschaltet. Vielleicht ist hat sich beim Tragen dann von alleine der Weißabgleich verstellt. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Insgesamt habe ich ein wenig den Eindruck, dass die Firmware etwas buggy ist und die Kamera ein gewisses Eigenleben führt. Aber das sehe ich ihr nach.

Doppelbelichtung ist klasse aber nur als jpg möglich! Für die gute Bildqualität nehme ich das gern in Kauf.

Doppelbelichtungsfunktion = jpg output only

Fazit

Die neue Fuji X100T ist ein Fotoapparat, der seinesgleichen sucht. Die Bildqualität bis ISO 3200 und selbst wenn diese um zwei bis drei Blenden gepushed werden, lassen sich die Raw-Files sehr gut nutzen.

Die automatische Gesichtserkennung finde ich okay. Der Fokus liegt gern mal daneben. Ausgenommen sind Fotos von still stehenden Personen. Da geht es recht ordentlich. Aber sobald sich eine Person bewegt oder die Personen nicht auf einer Ebene liegen (sensorseitig betrachtet) fängt der AF an zu pumpen und das Fokusfeld springt ständig hin und her. Das macht mich nervös, stört bei der Bildgestaltung und führt auch mal zu unscharfen Fotos. Aber zur Not noch den manuellen Fokus.

Dennoch, ich kann die Kamera jedem empfehlen, der gern und viel fotografiert. Mit den vielen Einstellungen lässt sich die Kamera sehr gut personalisieren und den individuellen Bedürfnissen anpassen. Sie liegt gut in der Hand und die Bildqualität ist meiner Ansicht nach über jeden Zweifel erhaben.

Ich persönlich finde die Farben geringfügig blasser im Vergleich zu meinen Leica Bildern. Aber das ist nicht wirklich schlimm und lässt sich in LR recht schnell beheben. Einzig die Optik ist meiner Ansicht nach verbesserungswürdig. Weniger Unschärfe ich den Randbereichen wäre wünschenswert. Am besten jedoch wäre eine X100T die über einen Adapter Leica Objektive aufnimmt. Aber das dauert sicherlich noch ein wenig. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Das ist meine erste Fuji und ich bin sehr zufrieden. Ob ich sie behalten werde oder verkaufe, das weiß ich noch nicht. Als Leica Fotograf muss ich recht viele Kompromisse eingehen. Und ganz so pur wie mit einer Leica M fotografiert es sich mit einer X100T eben doch nicht. Auch wenn es schon verdammt nach dran ist.

Für eine endgültige Entscheidung behalten oder nicht, werde ich einen Vergleich zwischen Leica und Fuji machen. Ich werde die X100T gegen meine Monochrom und meine M mit einem Summicron Asph. f/2.0 ins Rennen schicken.

Stay tuned...

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    My personal Fuji X100T - Review (EN)

    As a Leica photographer for me to be honest, it is hard departing from the rangefinder principle. Though a camera with autofocus is quite a tempting thing. For me Leica itself unfortunately offers no viable alternatives. Well, and so was actually only…